Psychopharmaka, die 2.

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Cookie
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Psychopharmaka, die 2.

Beitrag von Cookie » Mo Jul 20, 2009 12:11 pm

Hallo,

ich hätte eine Frage an die Ärztin. Es hat nur indirekt etwas mit der VE zu tun.

Ich leide seit meheren Jahren an Stimmungsschwankungen, was m. E. auch die VE verursacht. Zur Zeit ist es wieder schlimmer geworden und dadurch auch die VE. Da ich beruflich sehr viel unterwegs bin und keine Zeit für eine Gesprächstherapie habe, wollte ich fragen ob es grundsätzlich möglich ist, dass der Arzt Psychopharmaka auch ohne Gesprächstherapie verschreiben kann (Z.b. Lithium).

Ich denke ein Medikament, dass wenigstens die Schwankungen etwas ausgleicht, würde mir gut tun und könnte dadurch auch die VE besser beseitigen.

Danke +
Viele Grüße!

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dieÄrztin
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Psychopharmaka?

Beitrag von dieÄrztin » Do Jul 30, 2009 9:08 pm

Hallo Cookie,
Psychopharmaka ohne Gesprächstherapie? Ich denke das ist sogar gängige Praxis! Manche Hausärzte sind sehr großzügig mit Psychopharmaka!
Dennoch solltest du versuchen , ein Gespräch über dein Anliegen zu führen. Das kann schon ein einfühlsamer Hausarzt leisten (nicht aber ein reiner Rezeptblockwart!). ES muss auch nicht so zeitaufwändig sein, wie du befürchtest.
Hast du selber eine ERklärung für deine Stimmungsschwankungen? Wann bist du gut, wann bist du schlecht drauf? WElche Symptome erlebst du dann?
Denkst du wirklich, deine REaktionen sind krankhaft? Ein Stück weit sind ja schwankende Stimmungen normal, es sind Reaktionen auf unterschiedliche Belastungen; und auch die sexuellen Funktionen sind nicht immer gleich! Das dürfte bei Männlein und Weiblein so sein. Kannst du deine wechselnden Stimmungen auch einfach als Ausdruck deiner Physiologie, deines Wesens, vielleicht auch deiner Feinfühligkeit annehmen?
Frauen sind darin vielleicht besser geübt: seit Beginn des Monatszyklus kennen sie solche Schwankungen des Daseins und nehmen sie mehr oder weniger hin.
Mein Fazit also: bitte die Sache mit den Stimmungsschwankungen etwas differenzieren! Ich wäre sehr zurückhaltend mit einer Verordnung deswegen! Der Effekt wäre eine gewisse Nivellierung. Willst du das?

Übrigens: Lithium wäre hier sicher nicht erste Wahl. Es ist ein Medikament zur Behandlung der Manisch-Depressiven Störung, und auch der schweren Depression, wenn andere Therapeutika versagen. Es ist schwierig und individuell zu dosieren, und gehört in die Hand eines erfahrenen Psychiaters!
Hoffe meine Antwort bringt dich ein Stückchen weiter. Stehe dir gerne weiterhin zur Verfügung! Grüße
Dr. Mischa Beha, Frauenärztin

Cookie
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Beitrag von Cookie » So Aug 02, 2009 4:51 pm

Vielen Dank für die netten Zeilen.

Meine Stimmungsschwankungen oder die Feinfühligkeit habe ich bereits als Ausdruck meines Wesens angenommen und ich profitiere auch davon. Beispielsweise wenn ich ein bestimmtes Gemälde betrachte oder einen gut gemachten Dialog in einem Film verfolge der unter die Haut geht. Dann gehen für mich hundert neue Welten auf. Vielleicht bleibt ein solcher Blick anderen Leuten mit weniger Emotionalität verborgen, wer weiss?

Dennoch habe ich den Eindruck dass das ganze manchmal zuviel des guten ist. Besonders im Hinblick auf zwischenmenschliche Beziehungen. Auslöser sind meistens nur Kleinigkeiten; ich sehe dann für mich und die Welt nur schwarz. Das ganze entbehrt aber jeder rationalen Grundlage - am Folgetag sind die Sorgen wie weggeblasen. Das alles wäre halb so schlimm, wenn es nicht meinen Alltag z.T. massiv einschränken würde (effektives Lernen, arbeiten etc.).

Ein Medikament könnte die Wogen eventuell glätten. Das sind meine Gedanken dazu.

Nochmal vielen Dank! :-)

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